„Berlin – das gab den Ausschlag“
Am Abend des 28. September 1946 hält sich Willy Brandt bei seinem langjährigen Freund Halvard Lange auf. Der elf Jahre ältere Sozialist ist vor einigen Monaten zum norwegischen Außenminister ernannt worden. Er bietet Brandt eine Tätigkeit in der norwegischen Diplomatie an: Presseattaché bei der Gesandschaft in Paris. Mindestens zwei Jahre lang soll er dort die Politik beobachten und Kontakt zur französischen Linken halten.
Die Aufgabe erscheint Brandt einerseits reizvoll, da sie eine gute Basis für eine Karriere in internationalen Organisationen bietet. Andererseits entschiede er sich damit gegen eine Rückkehr nach Deutschland und die Mitarbeit in der deutschen Sozialdemokratie. „Nun weiß ich wirklich nicht, was ich machen soll“, schreibt er an seinen Freund Stefan Szende nach Stockholm. Drei Wochen ringt Brandt mit sich, bevor er Lange im Außenministerium aufsucht. Er ist „geneigt, Paris zu akzeptieren.“
Da ändert Lange sein Angebot: Brandt soll nicht nach Paris, sondern nach Berlin gehen und vom Alliierten Kontrollrat und den wachsenden Ost-West-Spannungen berichten. Der 32jährige zögert nicht lange und sagt zu. „Berlin – das gab den Ausschlag“, sagt er später. In einem Aktenvermerk hält er fest: „Ich habe meine Entscheidung getroffen.“