Zwischen Deutschland und Skandinavien
Im Dezember 1946 wendet sich Willy Brandt in einem Rundschreiben an politische und persönliche Freunde und Bekannte. Er wirbt um Verständnis für seinen Entschluss, in Zukunft für die norwegische Militäradministration in Berlin zu arbeiten. „Einige von Euch wird es vielleicht eigenartig berühren, dass ich als Alliierter nach Berlin gehe, zumal ich genötigt sein werde, dort teilweise in norwegischer Uniform aufzutreten.“ Doch diese „formellen Fragen“ und „störenden Attribute, die sich aus den uns durch den Hitlerkrieg bescherten Verhältnissen ergeben“, sind für ihn nicht entscheidend. „Es kommt darauf an“, so Brandt in seinem Brief, „wo der einzelne der europäischen Wiedergeburt und damit auch der deutschen Demokratie am besten dient.“ Und mit Blick auf seine Lübecker Freunde, die „mit der Möglichkeit meiner Rückkehr“ dorthin gerechnet hatten und „enttäuscht sein werden“, schreibt er: „Ich habe mich, wie Ihr wisst, seit Jahren gleichzeitig für ‚deutsche' wie für ‚skandinavische' Belange eingesetzt. Das waren und sind keine Gegensätzlichkeiten.“ Er werde, so Brandt weiter, „die alte Hansestadt und was ich dort gelernt habe, nie vergessen.“