Vorstellung des Schuman-Plan
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© Archiv R. Schummer
„Ist der Mai nicht wunderbar? Selbst das erbverfeindete Paar träumt von klingendem Genuß bei dem ersten Schumankuß“ |
Wie schon am Ende des Ersten Weltkrieges hat auch seit 1945 die Frage nach der künftigen Kontrolle der deutschen Kohle- und Stahlproduktion für Frankreich größte Bedeutung. Seit April 1949 liegt die Verwaltung des Ruhrgebiets in den Händen der Internationalen Ruhrbehörde, die mit Vertretern der Staaten Frankreich, Großbritannien, der USA und der Beneluxstaaten besetzt ist. In dieser von Misstrauen gegenüber den Deutschen geprägten Zeit stellt der französische Außenminister Robert Schuman überraschend einen Plan vor, „die gesamte deutsch-französische Kohle- und Stahlproduktion einer Hohen Behörde zu unterstellen, in einer Organisation, die den anderen Ländern Europas zum Beitritt offen steht.“ Revolutionär an dieser Idee ist nicht nur, das besiegte Deutschland gerade fünf Jahre nach Kriegsende in kooperative Strukturen einzubinden. Der „Schuman-Plan“ enthält zudem erstmals die Idee, Teile der staatlichen Souveränität auf eine höhere Organisation zu übertragen. Bereits am 20. Juni 1950 werden Frankreich, Italien, die Beneluxstaaten und die Bundesrepublik Deutschland die ersten Gespräche zur Gründung einer europäischen Montanunion – der Kernzelle für die künftige Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) – aufnehmen.