Willy-Brandt-Biografie
Hintergrund
Juni 1923

Streiks in Lübeck, Ein hartes Brot

Infolge der schwierigen wirtschaftlichen Lage brechen in ganz Deutschland Streiks aus. Anfang Juni 1923 legen auch in Lübeck 3.700 Metallarbeiter, darunter Ludwig Frahm, die Arbeit nieder.

Eines Tages trifft sein Stiefenkel Herbert den Direktor der Drägerfabrik, Oskar Schweichler, auf der Straße. Der fragt den Jungen, ob die Familie genug zu essen habe. Als er verneint, kauft ihm Schweichler in der Bäckerei zwei Brotlaibe. Das Kind läuft damit zu seinem Stiefgroßvater. Der verlangt jedoch von ihm, das Brot umgehend zurück in die Bäckerei zu bringen. „Geschenkt! Ein streikender Arbeiter nimmt kein Geschenk vom Arbeitgeber an. Wir lassen uns nicht vom Feind bestechen. Wir sind keine Bettler, die man mit Almosen abspeist. Wir wollen unser Recht, keine Geschenke. Bring das Brot zurück, sofort!“, schimpft Ludwig Frahm. „Wie ein Soldat fühlte er sich, der mit einer Botschaft ins Lager des Feindes geschickt wird. Trotzig legte er die Brote auf den Ladentisch. Der Triumph, den er dabei empfand, ließ ihn sogar den Hunger vergessen“, erinnert sich Brandt 1960.




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