Sonderbotschafter für West-Berlin
Unterstützt durch die Bundesregierung, die 50 Mio. DM in eine groß angelegte Berlin-Kampagne investiert, bricht Willy Brandt als Sonderbotschafter zu einer Weltreise auf. Sein Auftrag ist es, international für die Sache des freien Berlins zu werben und besonders die blockfreien Staaten über die Bedrohung durch das Chruschtschow-Ultimatum zu informieren.
Zwei Tage vor seiner Abreise verleiht ihm Bundespräsident Theodor Heuss in der Villa Hammerschmidt noch das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland – der Legende nach mit den Worten: „Damit Sie im Ausland nicht so nackt dastehen“.
Willy Brandt wird in den nächsten dreißig Tagen 15 Städte besuchen, u. a. Ottawa, Washington, Los Angeles, Tokio, Hongkong, Kalkutta, Bombay und Neu Delhi. Er wird dabei über 2000 Brandenburger-Tor-Plaketten verteilen, die die Solidarität der Bewohner der freien Welt mit West-Berlin symbolisieren sollen. In Deutschland berichtet die Springer-Presse bundesweit und in großer Aufmachung von Brandts Reisen und zeigt ihn mit Persönlichkeiten wie dem japanischen Kaiser Hirohito, dem indischen Ministerpräsidenten Pandit Nehru, dem amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower und UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld.
Im April wird Brandt noch einmal zu einer Reise durch Europa aufbrechen und Amsterdam, Utrecht, Rotterdam, Stockholm, London, Kopenhagen und Genf besuchen. Die zweite Berlin-Krise macht Willy Brandt zum bekanntesten Sozialdemokraten und zum populärsten deutschen Politiker neben Bundeskanzler Konrad Adenauer.

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© AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung Willy Brandt am Strand von Honolulu, Februar 1959 (neben ihm der Berliner Senator für Bundesangelegenheiten, Günter Klein)
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