Willy-Brandt-Biografie
Hintergrund
Juli 1954

SPD-Parteitag in Berlin

Während Willy Brandts Ansehen in der Berliner SPD stetig steigt, werden die Differenzen zum Parteivorstand in Bonn immer deutlicher sichtbar. Wenige Tage vor dem Bundesparteitag der SPD in Berlin betont Brandt in der Neuen Ruhr Zeitung, dass er einen westdeutschen Verteidigungsbeitrag für unausweichlich hält, entweder in der EVG oder im Falle, dass diese scheitert, in Anlehnung an die Nato. Die Wiedervereinigung ist für ihn nicht kurzfristig erreichbar. Damit befindet er sich auf Konfrontationskurs zur Mehrheit der SPD, die eine Wiederbewaffnung ablehnt und von einem kollektiven Sicherheitssystem unter Einbeziehung der Sowjetunion träumt.

Doch auch wenn Willy Brandt die westdeutsche Nato-Mitgliedschaft auf dem Parteitag nicht offen fordert, um seine Vorstandskandidatur nicht zu gefährden, zur „Flucht großer Teile der Sozialdemokratie aus der Wirklichkeit“ (Wolfgang Schmidt) passen seine sicherheitspolitischen Positionen nicht.

Beim Parteitag in Berlin bekommt Brandt die Konsequenzen zu spüren. Der Parteivorstand verhindert Brandt als Tagungsleiter neben Franz Neumann. Und auch die Delegierten haben wenig Sympathien für die Reformbemühungen des Berliner Genossen. Bei den Vorstandswahlen bekommt Brandt nur 155 von 372 Stimmen und fällt glatt durch. Erst auf dem Stuttgarter Parteitag 1958 wird er ins Führungsgremium seiner Partei gewählt werden.

 




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