Willy-Brandt-Biografie
Hintergrund
Februar 1933

Reichstagsbrand

Hitlers Ziel, den Parlamentarismus in Deutschland zu beseitigen, wird durch ein unvorhersehbares Ereignis gefördert: Eine Woche vor den Parlamentswahlen, in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933, vernichtet ein verheerender Brand große Teile des Berliner Reichstagsgebäudes. Der holländische Anarchist Marinus van der Lubbe wird im Bismarcksaal des brennenden Gebäudes festgenommen und bekennt sich zur Tat.

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Marinus van der Lubbe während des Strafprozesses in Leipzig

Die Nationalsozialisten behaupten noch in der Nacht, dass der Reichstagsbrand das Ergebnis einer kommunistischen Verschwörung sei. Hitlers Gegner hingegen sind davon überzeugt, dass der Brand von den Nationalsozialisten selbst gelegt wurde (neueste Forschungen sprechen für eine Alleintat van der Lubbes). Was auch immer die Wahrheit ist, politisch und historisch weit folgenreicher ist das Kapital, das die Nationalsozialisten aus dem Vorfall schlagen: Sie zeigen den entschlossenen und kompromisslosen Willen, die Ereignisse zur Vernichtung des politischen Gegners zu nutzen und eine uneingeschränkte Diktatur durchzusetzen.

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Titelseite des nationalsozialistischen Propagandablattes „Völkischer Beobachter“ am Tag nach dem Reichstagsbrand

Am Tag nach dem Reichstagsbrand unterzeichnet Reichspräsident Paul von Hindenburg eine „Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat“: Sie setzt den Grundrechtskatalog der Weimarer Verfassung außer Kraft und gibt den Nationalsozialisten weit reichende Mittel zur Verfolgung ihrer politischen Gegner an die Hand. Eine vornehmlich gegen Kommunisten und Juden gerichtete Verhaftungswelle setzt ein. Schon bald wird das erste Konzentrationslager - das Lager Sonnenburg in der Nähe von Küstrin - errichtet.



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