Willy-Brandt-Biografie
Hintergrund
September 1948

Rede auf dem SPD-Bundesparteitag

Am 12. September 1948 spricht Willy Brandt zum ersten Mal auf einem Parteitag der SPD. Einige Tage zuvor hatte er beim stellvertretenden SPD-Vorsitzenden, Erich Ollenhauer, angefragt, ob sein Status als Gastteilnehmer einem Redebeitrag im Wege stehe: „In erster Linie würde mich reizen, zu einigen Fragen außenpolitischer Art Stellung zu nehmen.“

Brandt zeigt hier klare Vorstellungen, die er teils schon während des Krieges entwickelt hat. Diese Vorstellungen entsprechen nicht immer denen des Parteivorstandes, dessen Angestellter er ist. Brandt muss abweichende Ansichten also geschickt darstellen.

In seiner Rede in Düsseldorf unterstreicht er die Forderung des Parteivorsitzenden, Kurt Schumacher, nach einem demokratischen und sozialistischen Europa. Aber er ergänzt: „Die Aufzeigung dieser, unserer Meinung nach unerlässlichen, Voraussetzungen für den Bestand eines einigen Europas bedeutet nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen können, bis diese Bedingungen in aller Reinheit erfüllt sind.“ Der „pragmatisch und praktisch denkende Brandt“, so Biograf Peter Merseburger, „nimmt seine Politik der kleinen Schritte vorweg.“




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