Propaganda im Kalten Krieg
Als im April 1956 im Berliner Bezirk Treptow ein Spionagetunnel entdeckt wird, der es den Amerikanern ermöglichte, Telefonleitungen der Sowjets abzuhören, lädt der Ost-Berliner Oberbürgermeister, Friedrich Ebert, Willy Brandt zu einer Ortsbegehung ein. Er will dem Parlamentspräsidenten der Gegenseite demonstrieren, wie die Alliierten ihre Stellung in Berlin missbrauchen. Brandt willigt unter der Bedingung ein, dass Ebert in Begleitung von vier politischen Häftlingen erscheint, die mithin freigelassen werden müssten.
Als Brandt zum vereinbarten Termin am Brandenburger Tor erscheint, wird ihm ein Brief Eberts übergeben, der in seinem Wagen auf der östlichen Seite der Sektorengrenze wartet. In dem Brief stellt Ebert fest, dass sein Magistrat nicht für die Entlassung von Kriminellen zuständig sei. Brandt lässt seinen Wagen umgehend wenden und fährt davon. Zahlreiche Schaulustige, Journalisten und Fotografen erleben, wie der Direktor des Abgeordnetenhauses, Grieß, anschließend die Namen der vier Häftlinge laut und anklagend über die Mauer in den Ostsektor hinüber ruft.
Brandt-Biograf Peter Merseburger sieht in der Aktion eine gelungene Propagandaschau. In aller Welt wird Brandt als unerschrockener Kämpfer für die Freiheit Berlins wahrgenommen, auch wenn seine Möglichkeiten in der Realität des Kalten Krieges begrenzt sind.