Parteitag in Mannheim
Willy Brandt bleibt nach seinem Rücktritt vom Amt des Bundeskanzlers Parteivorsitzender der SPD. Innerparteilich die SPD zu sammeln und durch Konsensbildung die Einheit der Partei zu wahren, bezeichnet Brandt als zentrale Anliegen seiner politischen Arbeit.
Die sozialliberale Koalition setzt ihre Arbeit unter Bundeskanzler Helmut Schmidt fort. Walter Scheel - Außenminister in der Regierung Brandt und Partner bei der Umsetzung der neuen Ost- und Deutschlandpolitik - wird im Mai 1974 zum Bundespräsidenten gewählt. Sein Amt als Außenminister übernimmt Hans-Dietrich Genscher (FDP).
Die Regierung Helmut Schmidt kündigt an, die eingeleiteten inneren Reformen mit Einschränkungen weiterzuführen. Die wirtschaftliche Rezession, die durch die Ölkrise verursacht worden ist und große Löcher in die öffentlichen Haushaltskassen reißt, zwingt in nicht wenigen Bereichen, die Reformpläne aufzugeben. Die Finanzierbarkeit des Sozialstaates stößt an ihre Grenzen. Helmut Schmidt ist ein Realpolitiker, der sich den visionären Reformwillen Willy Brandts nie vollständig zu eigen gemacht hat. Ihm fällt es daher leichter, die Politik den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Die Regierung verspricht den Bürgern, zumindestens das Erreichte zu sichern.
Auf dem Parteitag der SPD 1975 in Mannheim stellt sich die Partei mit ihrem Vorsitzenden Willy Brandt geschlossen hinter die Regierung Helmut Schmidts. Für Brandt ist es fortan eine zentrale Aufgabe, die Regierung zu stützen und ihr "den Rücken freizuhalten".
Das Symbol für die Führungsspitze der SPD ist die sogenannte Troika: Willy Brandt als Parteivorsitzender, Helmut Schmidt als Bundeskanzler und Herbert Wehner als Fraktionsvorsitzender der SPD im Deutschen Bundestag. Die Zusammenarbeit der drei Politiker ist nicht immer konfliktfrei. "Es ist unbestritten", urteilt ein Insider, "daß sich die Altvorderen manchmal fetzen." Gleichwohl bricht die SPD-Führungsspitze nie auseinander. Ein Wehner-Biograph schreibt dazu: "Ihr gemeinsames Interesse ist die Partei. (...) Der Erfolg der Partei ist ihr persönlicher Erfolg, ihre Niederlagen sind die Niederlagen für die Partei."