Mauerbau
|
© AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, spricht am 16. August 1961 auf einer Protestkundgebung gegen den Mauerbau in Berlin auf dem Rudolph-Wilde-Platz vor dem Rathaus Schöneberg. Im Hintergrund sind Wappen Berliner Bezirke zu sehen, die Wappen der Ost-Bezirke sind symbolisch durch Stacheldraht ersetzt.
|
Am 13. August 1961, einem Sonntag, ist Willy Brandt als Kanzlerkandidat der SPD in seinem Wahlkampf-Sonderzug unterwegs zu einer Wahlkampfveranstaltung in Kiel. Gegen 5 Uhr weckt ihn der Schaffner mit einer Nachricht von Heinrich Albertz: Brandt solle das nächste Flugzeug nach Berlin nehmen, die DDR sei dabei, die Sektorengrenze zu schließen: „Brandts große Stunde der Bewährung hat begonnen“ (Peter Merseburger).
Ohnmächtig muss der Regierende Bürgermeister von Berlin zusehen, wie die östlichen Machthaber beginnen, mitten durch die Stadt eine Mauer zu errichten. Über Nacht werden Tausende von Familien und Freunde getrennt. Vielen Berlinern ist der Weg zu ihrem Arbeitsplatz versperrt. An der Grenze zum Ost-Sektor spielen sich dramatische Szenen ab. Zur Empörung Brandts und seiner Berater unternehmen die Westmächte nichts gegen den klaren Bruch des Vier-Mächte-Status der Stadt; sie belassen es bei bloßen Protesten. Das Vertrauen der West-Berliner in ihre Schutzmächte ist erschüttert.
Am 15. August schickt Brandt ein Fernschreiben an den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy. Er äußert die Befürchtung, dass durch „Untätigkeit und reine Defensive“ der West-Mächte sowohl eine „Vertrauenskrise zu den Westmächten“ bei den Berlinern wie auch ein „gesteigertes Selbstbewusstsein des Ostberliner Regimes“ hervorgerufen werden könnte. Er fordert deshalb von den USA „politische Initiative, wenn die Möglichkeit des Handelns schon so gering ist.“
Vizepräsident Lyndon B. Johnson überbringt ihm die Antwort Kennedys am 18. August persönlich. Zusammen mit 1.500 amerikanischen Soldaten trifft er in West-Berlin ein. Die West-Berliner bereiten den Amerikanern einen triumphalen Empfang. Doch Brandt ist enttäuscht: Kennedy erteilt seinen Vorschlägen eine klare Absage und fordert ihn auf, „konkrete Möglichkeiten“ vorzuschlagen, wie die Bindungen Berlins an den Westen gesichert werden könnten. Kennedys Brief war es, so Brandt in seinen „Erinnerungen“, „der den Vorhang wegzog und eine leere Bühne zeigte.“