Hintergrund
März 1920

Lüttwitz-Kapp-Putsch

Nach dem Versailler Friedensvertrag vom Juni 1919 muss das deutsche Heer künftig auf 100.000 Mann begrenzt werden; die aus Freiwilligen bestehenden militärischen Freikorps sind aufzulösen. Als die Reichsregierung damit beginnt, diese Auflagen umzusetzen, stößt sie auf heftige Ablehnung und Widerstände. Am frühen Morgen des 13. März 1920 besetzt Reichswehrgeneral Walther Freiherr von Lüttwitz mit der „Marinebrigade Erhardt“, deren Auflösung gerade von der Reichsregierung verfügt worden war, das Berliner Regierungsviertel und ernennt den deutschnationalen Politiker Wolfgang Kapp zum Reichskanzler.

© Deutsches Historisches Museum, Berlin
Putschisten sperren die Potsdamer Straße in Berlin

Die Reichswehr weigert sich, gegen die Putschisten militärisch vorzugehen („Reichswehr schießt nicht auf Reichswehr“). Der SPD-Vorsitzende Otto Wels und führende sozialdemokratische Regierungsmitglieder rufen daraufhin zum Generalstreik auf. Die Ministerialbürokratie weigert sich, Kapps Anweisungen Folge zu leisten. Der „Lüttwitz-Kapp-Putsch“ ist danach innerhalb von wenigen Tagen beendet. In Sachsen, Thüringen und im Ruhrgebiet versuchen jedoch kommunistische Kräfte, die Gelegenheit zu nutzen, die von ihnen angestrebte „proletarische Revolution“ gewaltsam voranzutreiben. Um die Aufstände niederzuschlagen, bedient sich die Reichsregierung unter Gustav Bauer (SPD) auch nicht regulärer Armeeverbände – darunter sogar die „Marinebrigade Erhardt“, die kurz zuvor am Putsch gegen die Reichsregierung beteiligt war.



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