Willy-Brandt-Biografie
Hintergrund
April 1972

Konstruktives Misstrauensvotum gegen Willy Brandt

 
© Bundesbildstelle
Oppositionsführer Rainer Barzel gratuliert Bundeskanzler Willy Brandt nach dem überstandenen Misstrauensvotum

Die Ost- und Deutschlandpolitik Willy Brandts ist im Bundestag heftig umstritten. Politische Gegner werfen dem Kanzler vor, den Ausverkauf deutscher Interessen zu betreiben. Mehrere Abgeordnete der Regierungsparteien treten zur CDU/CSU-Fraktion über.

Am 27. April 1972 will die Opposition die bröckelnde Mehrheit der sozial-liberalen Koalition im Bundestag zu einem konstruktiven Misstrauensvotum nutzen. Die Union will Brandt stürzen und ihren Fraktionsvorsitzenden Rainer Barzel zum Kanzler wählen.

Die Bürger in der Bundesrepublik warten mit größter Spannung auf das Ergebnis des Misstrauensvotums. Nach Umfragen steht eine Mehrheit hinter der Regierung Brandt/Scheel und befürwortet deren Ost- und Deutschlandpolitik. Sollte Willy Brandt abgewählt werden, wäre die Zukunft dieser Politik völlig ungewiss. In vielen Städten protestieren Bürger gegen den „Barzel-Putsch“ und bringen ihre Unterstützung für Willy Brandt zum Ausdruck.

Bei der geheimen Abstimmung im Bundestag erreicht Rainer Barzel nicht die erforderliche Mehrheit. Nur 247 Abgeordnete geben ihm ihre Stimme, zwei weniger als erforderlich. Willy Brandt bleibt Bundeskanzler.

Heute gilt es als sicher, dass mindestens zwei Stimmen der Opposition von der Staatssicherheit der DDR gekauft wurden. Die Abgeordneten Julius Steiner (CDU) und Leo Wagner (CSU) hatten je 50.000 DM erhalten, damit sie nicht für Rainer Barzel stimmten.



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