Willy-Brandt-Biografie
Hintergrund
November 1976

Kongreß der Sozialistischen Internationale

Willy Brandt bleibt nach seinem Rücktritt vom Amt des Bundeskanzlers Vorsitzender der SPD. Als international ausgerichtete Persönlichkeit will Brandt seine politische Tätigkeit nicht auf das Inland beschränken. Er beabsichtigt deshalb, Spanien und Portugal sowie die Länder Lateinamerikas auf ihrem Weg zur Demokratie zu beraten und sich verstärkt dem Nord-Süd-Dialog zu widmen. Da Willy Brandt als Außenminister und Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und Friedensnobelpreisträger international großes Ansehen erworben hat, kann er seinen hervorragenden Ruf bei der Wahrnehmung zahlreicher wichtiger Ämter auch im internationalen Bereich zum Wohle der Menschen einsetzen.

Auf dem 13. Kongreß der Sozialistischen Internationale (SI) in Genf wird Willy Brandt am 26. November 1976 zum Präsidenten gewählt. Unter Brandts Führung erfährt die SI tiefgreifende organisatorische und strukturelle Veränderungen. Die Arbeitsfähigkeit und Effektivität der Organisation werden dadurch erheblich verbessert. Willy Brandt befreit die SI von ihrem "Eurozentrismus" und öffnet sie für die freundschaftlich verbundenen Parteien in den Ländern der Dritten Welt. Regional- und Fachkonferenzen, Kongresse, Parteiführer-Konferenzen und Studiengruppen werden zu wichtigen Instrumenten des Dialogs und der Zusammenarbeit.


Buchcover "Sozialistische Internationale - ein neuer Anfang"
©Willy-Brandt-Archiv

Unter der Präsidentschaft Willy Brandts setzt die SI neue Arbeitsschwerpunkte. Eine große Bedeutung kommt dabei der Abrüstungsfrage zu. Brandt fordert die Regierungen der Welt auf, dem "Wahnsinn des Wettrüstens" ein Ende zu setzen, und setzt einen "Abrüstungsrat" unter Leitung des finnischen Ministerpräsidenten Kalevi Sorsa ein. Der Abrüstungsrat erarbeitet verschiedene Vorschläge, wie die Ost-West-Beziehungen durch Abrüstung und andere vertrauensbildende Maßnahmen weiter verbessert werden können. Die SI fördert darüber hinaus den Dialog zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern und leitet Untersuchungen über weltwirtschaftliche Fragen ein, um Vorschläge für eine neue Weltwirtschaftsordnung zu entwickeln.

Willy Brandt will die SI nicht als "sozialdemokratische Weltexekutive" verstanden wissen. Er betrachtet die Organisation als eine "Arbeitsgemeinschaft souveräner und unabhängiger politischer Parteien", die als "politisch-moralische Kraft" im Weltmaßstab wirken will.

Willy Brandt bleibt Präsident der SI bis September 1992, wenige Wochen vor seinem Tod.

 



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