Willy-Brandt-Biografie
Hintergrund
November 1959

Kalter Krieg

Ende der 50er Jahre herrscht zwischen Ost und West der "Kalte Krieg". Die atomaren Waffenarsenale der USA und der UdSSR können alles Leben auf der Erde mehrfach auslöschen. Das "nukleare Patt" - die stete Gefahr der gegenseitigen totalen Vernichtung - verhindert den Ausbruch eines "heißen" Krieges zwischen den beiden Supermächten und ihren Bündnispartnern.
  
Mauerbau an der Harzer Straße am 18. August 1961
©Bundesbildstelle
 

Im Oktober 1957 schickt die UdSSR den ersten künstlichen Weltraumsatelliten (Sputnik I) in die Erdumlaufbahn. Die USA und die westliche Welt stehen angesichts dieses sowjetischen Erfolges in der Weltraumfahrt unter einem Schock. Der sowjetische Ministerpräsident Nikita Chruschtschow läßt sich dadurch zu einem weiteren Schritt verleiten: Im November 1958 fordert er die westlichen Schutzmächte ultimativ auf, ihre Truppen aus der Vier-Mächte-Stadt Berlin zurückzuziehen. West-Berlin solle "entmilitarisiert" und in eine "Freie Stadt" umgewandelt werden.

Das "Chruschtschow-Ultimatum" ruft in den westlichen Ländern Empörung hervor. Sollten die Westmächte dem sowjetischen Druck nachgeben, ist die Freiheit der Menschen in West-Berlin - wie zuletzt im Jahre 1948 - in größter Gefahr. Die Vertreter der amerikanischen, britischen und französischen Regierung bekräftigen auf der Pariser NATO-Tagung im Dezember 1958 ihre Entschlossenheit, die Freiheit West-Berlins unter allen Umständen zu wahren.

Im Januar 1959 verstärkt die Moskauer Regierung ihren Druck und legt den Entwurf für einen Friedensvertrag der vier ehemaligen Siegermächte mit Deutschland vor. Danach sollen die beiden deutschen Staaten - die Bundesrepublik Deutschland und die DDR - einen Staatenbund (Konföderation) bilden. Diese deutsche Konföderation, an der Nahtstelle zwischen den beiden Machtblöcken gelegen, soll weder der NATO noch dem Warschauer Pakt angehören. Die Oder-Neiße-Grenze soll in einem Friedensvertrag festgeschrieben werden, wodurch die ehemaligen Ostgebiete des Deutschen Reiches endgültig Polen und der UdSSR überlassen würden.

Die Westmächte lehnen den sowjetischen Plan strikt ab und schlagen die Einberufung einer Vier-Mächte-Konferenz in Genf vor, zu der auch Vertreter der beiden deutschen Staaten als Beobachter eingeladen werden sollen. Die Sowjets stimmen zu. Die Genfer Konferenz endet im August 1959 ergebnislos.

Der tägliche Strom von Flüchtlingen aus der DDR (in den Jahren 1949-61 flüchten mehr als 2,6 Millionen Menschen in die Bundesrepublik) schwillt unterdessen weiter an. Das beste Schlupfloch bildet nach wie vor die Vier-Mächte-Stadt Berlin, in der ein Grenzübertritt zwischen Ost und West noch relativ ungehindert möglich ist. Diese Situation erscheint den Regierungen in Ost-Berlin und Moskau nicht länger hinnehmbar. Mit Rückendeckung der UdSSR errichtet die Führung der DDR die Berliner Mauer. Der Beginn des Baus fällt auf den 13. August 1961. Die westlichen Alliierten nehmen - zur maßlosen Enttäuschung insbesondere der West-Berliner Bevölkerung - diesen klaren Bruch des Vier-Mächte-Status der Stadt ohne nennenswerten Widerstand hin.
  
West-Berliner im Bezirk Wedding winken im Oktober 1961 ihren Angehörigen hinter der Mauer zu
©Bundesbildstelle
 

Die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin - wie auch die übrige Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland - wird für die Menschen, die in die Freiheit des Westens fliehen wollen, zu einem nahezu unüberwindbaren Hindernis. Viele Hundert Menschen bezahlen ihren Fluchtversuch mit jahrelanger Gefängnisstrafe, schweren körperlichen Verletzungen oder mit ihrem Leben.

 



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