Ins zweite Exil
Nach seiner Entlassung aus deutscher Kriegsgefangenschaft bleibt Willy Brandt nicht lange in Oslo. Zu viel weiß die Gestapo über ihn, zu bekannt ist er in Norwegen. Einige Zeit verbirgt er sich in einem abgelegenen Sommerhaus, das ihm Freunde überlassen haben, dann macht er sich auf den Weg in sein zweites Exil.
Am Morgen des 30. Juni 1940 bricht Brandt ins 65 Kilometer entfernte Schweden auf. Mit der Fähre begibt er sich nach Oslo, um Papiere, Geld und Kleidung aus einem Versteck zu holen. Von Oslo fährt er mit der Bahn Richtung schwedische Grenze, um die letzten Kilometer zu Fuß zurückzulegen. Ein Freund seiner Lebensgefährtin Carlota Thorkildsen hilft ihm. Am späten Abend verlässt er Norwegen, „ohne es zu merken“.
Für Willy Brandt endet damit ein wichtiger Lebensabschnitt. Er muss aus dem Land fliehen, das ihm zur zweiten Heimat geworden ist. Seit 1933 hat er in Norwegen gelebt. Nach Brandts eigener Überzeugung waren es „die in mancher Hinsicht wichtigsten Jahre meines Lebens.“