Willy-Brandt-Biografie
Hintergrund
April 1974

Guillaumes Verhaftung

© RegierungOnline/Wegmann
Während einer Bundestagsdebatte liest ein Abgeordneter die Bild-Zeitung vom 26. April 1974.

Anfang April 1974 hatte sich Willy Brandt energisch wieder in die innerparteiliche Diskussion eingebracht. Auf einer Pressekonferenz präsentiert er zehn Thesen zur Situation der SPD, in denen er kämpferisch den Kurs der Regierung und das Godesberger Programm verteidigt und die Mitglieder seiner Partei auffordert, diese Politik selbstbewusst gegenüber den Bürgern und dem politischen Gegner zu vertreten.

Mitte April reist Brandt nach Nordafrika, trifft die Staatschefs Sadat in Ägypten und Boumedienne in Algerien. Er wird als großer Staatsmann gefeiert und für seine Politik der Verständigung geehrt. Auf dem Rückflug bespricht er mit seinem Berater Egon Bahr die Details einer Kabinettsumbildung, mit der er seine politische Richtlinienkompetenz wieder stärker wahrnehmen will. Doch es kommt anders: Auf dem Köln-Bonner Flughafen empfangen ihn Innenminister Genscher und Kanzleramtschef Grabert mit der Nachricht, dass Guillaume verhaftet worden sei und bereits gestanden habe. Für Brandt ist die Nachricht „ein Hammer, wenn auch nicht einer, der mich hätte betäuben können.“ In seinen Erinnerungen hält er fest: „Dass seine Entlarvung das Ende meiner Kanzlerschaft bedeuten würde, ich wusste es nicht und ahnte es nicht einmal.“



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