Bundestagswahl 1965
Willy Brandt geht als Kanzlerkandidat der SPD mit hohen Erwartungen in die Wahl zum 5. Deutschen Bundestag am 19. September 1965: Minimalziel ist das Erreichen der 40%-Marke. Die Sozialdemokraten erwarten, dass sie stärkste Fraktion im Bundestag werden und eine Regierungsbildung gegen sie nicht mehr möglich sein wird. Gemessen daran ist das tatsächliche Wahlergebnis ernüchternd: 39,3% erreichen die Sozialdemokraten, während die CDU/CSU mit 47,6% weiterhin die stärkste Fraktion im Bundestag stellt. Zusammen mit der FDP, die 9,5% erreicht, kann Kanzler Ludwig Erhard weiterregieren.
Was Brandt und viele Genossen in der ersten Enttäuschung übersehen: Die SPD hat 3,1% hinzugewonnen und das beste Wahlergebnis der Nachkriegszeit erreicht, während die Regierung durch die Einbußen der FDP verloren hat. Die Regierungskoalition muss 12 Mandate an die Opposition abgeben, die ihrerseits die Regierungsarbeit von nun an besser kontrollieren kann.
Am Tag nach der Wahl gibt Brandt bekannt, dass er 1969 nicht mehr als Kanzlerkandidat zur Verfügung stehe. Freunde befürchten gar seinen völligen Rückzug aus der Politik. Heinrich Albertz: „Wir waren überzeugt, dass ein Ausscheiden Brandts aus der Politik, womöglich ein Weggehen in die Heimat seiner Frau, seine zweite Heimat, eine furchtbare Niederlage für die Bundesrepublik und für West-Berlin bedeutet hätte.“
So weit kommt es nicht. Willy Brandt kehrt an seinen Schreibtisch im Rathaus Schöneberg zurück und wird dort herzlich empfangen. „Berlin“, ist in der Morgenpost zu lesen, „diese geplagte und geschundene Stadt, ist des Schweißes der Edelsten wert!“

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Quelle: Der rote Ballon Bundeskanzler Erhard und Kanzlerkandidat Brandt machen dem staunenden deutschen Michel gegenüber Wahlversprechen: "Ich bring Wohlstand für alle!" und "Ich bring für alle Wohlstand!" - Ausdruck für die Annäherung von CDU und SPD |
Ergebnisse der Wahl zum 5. Deutschen Bundestag